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Montag, 29. Juni 2020

Support Small business 3: Feige von Harry Lehmann Parfum Individual oder....



...nach dem Rendevous mit Lord X


Billy Wilder, einer meiner Lieblingsregisseure, wäre dieser Tage 114 Jahre geworden. Seine Filme begleiten mich seit frühester Jugend. Begonnen hatte alles mit „1,2,3“ und „Manche mögens heiß“ in meinem Elternhaus. Mit „Irma la douce“ verbinde ich vor allem die Treffen mit meiner gleichaltrigen Kusine bei unserer Großmutter in Nordrhein-Westfalen. Obgleich das Kusinchen und ich unterschiedlich nicht sein konnten bzw. könnten, verstanden wir uns sehr gut und schauten bei jedem dieser Treffen mindestens einmal Wilders „Irma la douce“ während unsere Großmama ihren Mittagsschlaf hielt.




Credit*

 

Mittwoch, 6. Mai 2020

Mandorlo di Sicilia - bitte ohne Vino Santo


Cantuccini sind ein lustiges Gebäck aus Norditalien, das ich zum ersten Mal von meiner verflossenen Schwiegermutter kredenzt bekam. Herzhaft biss ich in das kleine krosse Etwas, was ich sogleich bereute, da das Ding mehr als kross, nämlich steinhart und äußerst staubig schmeckte. Glücklicherweise verfüge ich über starke und feste Beißerchen, sonst hätte mich das Abenteuer glatt auf die Liege von Dr. S., meiner Wiener Zahnärztin, katapultiert. 

Bildrechte Utopia.de bzw. Foto: CC0 / Pixabay / LoboStudioHamburg


Lernfähig wie ich zuweilen bin, habe ich schnell verstanden, dass man Cantuccini entweder vornehm kabbert oder sie mit Café oder einem Glas Vin Santo genießt. Letzteres ist selbst mir Süßnase zu viel des Guten und so habe ich auch bei meinen späteren Aufenthalten in Norditalien stets den Café, am liebsten starken, schwarzen Espresso bevorzugt. Der Espresso ist auf diese Weise übrigens nach und nach Bestandteil meines Lebens geworden, pur schwarz, stark, ohne Gedöns wie Milch oder Zucker. 


Montag, 27. April 2020

Support Small business 2: Lindenblüte von Harry Lehmann Parfum Individual


Eine Ablenkung vom wahren Leben, eine Flucht aus der Realität, das ist es, was sich Verleger Ernst Rowohlt von Schriftsteller Kurt Tucholsky in einem fiktiven Briefwechsel für seine Leser wünschte. Tucholsky erfüllte den Wunsch des Verlegers nach “einen leichten, sommerlichen Roman, vielleicht einer Liebesgeschichte” und schreibt einen seiner grössten Publikumserfolge: “Schloss Gripsholm. Eine Sommergeschichte”*. Als Zaungäste reisen wir mit Ich-Erzähler Peter, genannt Daddy und seiner Freundin Lydia, genannt Prinzessin, nach Südschweden. Die unbeschwerte Sommerfrische gespickt mit Neckereien – teilweise auf Missingsch** -  wird durch interessante Besucher, nämlich Freund Karlchen und die erotisch anziehende Freundin Billie bereichert. Einen Riss bekommt die heitere Idylle als das Paar der kleinen Ada begegnet, die in einem nahe liegenden Kinderheim lebt und sich den Repressalien der Heimleiterin ausgesetzt sieht. Lydia und Peter nehmen sich des Kindes an und organisieren, dass es zu seiner (bisher ahnungslosen) Mutter in die Schweiz zurück kehren kann. 


Credit: Kangourette


Kaum ein Duft verkörpert das entspannte Nichtstun in “Schloss Gripsholm” für mich so sehr wie “Lindenblüte” von Harry Lehmann. Die (vermeintliche) Einfachheit dieses Duftes gepaart mit der Ästhetik und Stimmung der Weimarer Zeit, die selbst in der lockeren und sommerlichen Atmosphäre von Tucholskys Erzählung mitschwingt, bilden für mich eine stimmige Einheit. Dass sowohl die Marke Harry Lehmann als auch die beiden Hauptfiguren Peter und Lydia aus Berlin stammen (Lydia ursprünglich aus Rostock, wie wir schnell erfahren - Stichwort “Missingsch”), wo zudem die legendäre Straße “Unter den Linden” beheimatet ist, mag diese Assoziationskette bei mir verstärken.

Über Harry Lehmann

Harry Lehmann, Parfum nach Gewicht wurde 1926 in Berlin gegründet. Lehmanns Anliegen in den 1920er Jahren war es “auf Luxusverpackung und Werbung” zu verzichten, damit die Düfte “auch in der damaligen schwierigen Zeit erschwinglich blieben”. Diesem Konzept ist man bis heute treu geblieben. Aktuell ist das Geschaeft von Harry Lehmann in der Kantstraße 106, 10627 Berlin meines Wissens geschlossen, Bestellungen werde jedoch gerne per e-mail entgegen genommen. Weitere Informationen findet ihr unter www.Parfum-individual.de


Sonntag, 5. April 2020

Durch die (Klo-)Rolle betrachtet: Olympea Intense


Wenn uns die Corona-Krise eines beschert hat, dann unzählige Witze über Hamster und Klopapierkäufe. “Bleib zu Hause, rette Leben” und “flatten the curve”, die Mottos der Stunde haben das gesamte gesellschaftliche Leben lahm gelegt. Kaum eine/r erlebt dies nicht als Grenzerfahrung - allein mit sich selbst – oder mit Kind und Kegel in den eigenen vier Wänden, wo nebst homeoffice auch Schulbildung und jegliches Socializing abzulaufen hat. 




Credit: Kangourette




Nachdem alle brav gelernt haben, wie man sich ordentlich die Hände wäscht – ich hatte ja schon immer die Befürchtung, dass das Vielen nicht ganz geläufig ist - wurden Keller ausgemistet, Serien im Akkord geschaut, Fenster geputzt und erste Versuche in Balkonkonzerten gestartet. Außerdem bezeugt der knallvolle Glascontainer wenige Schritte von unserem Haus entfernt, dass man in der Nachbarschaft Wein und Sekt offenbar gerne und großzügig zuspricht. So weit so gut, aber die Auseinandersetzung mit dem, was sich ”da draußen” tut, bleibt unangenehm, ist dramatisch. Es ist wie ein Dialog im Dunkeln, bei dem man das Gegenüber schmenhaft erahnt, aber nicht vollständig sieht.







Ich ertappe mich derzeit dabei, dass ich an Tagen, an denen ich Parfum auflege besonders gerne zu schmeichelnden, warmen Düften greife. Orientalische oder Gourmand-Noten verleihen wahrscheinlich zusätzlich Geborgenheit in einer Zeit, die ich manchmal als schwer erfassbar empfinde.









Freitag, 28. Februar 2020

Abendsegen in der Hosenrolle: Ereve


Willkommen im Jahr 2020 liebe Kangouretten! Nach einem erschreckend milden Januar befinden wir uns nun in einem frühlingshaften Februar mit Vogelgezwitscher und zaghaft aber wahrnehmbar blühenden Blumen in Gärten und Parks. Wo normalerweise trübes Wetter und Schneematsch vorherrschten, bemerken wir nahezu an allen Ecken, dass wir uns dank Klimawandel seit Wochen auf der Zielgeraden in den Frühling befinden. So schön es jetzt ist, so sehr können wir damit rechnen, dass uns erneut ein extremer Sommer bevorsteht, der nicht nur die Natur und Tierwelt, sondern  auch Leben und Gesundheit vieler Menschen negativ beeinflussen wird….


Credit: Kangourette

Aber widmen wir uns nun wieder einem der Lieblingsthemen dieses Blogs: Den Düften! Gerade in der diesjährig (verfrühten) Übergangsjahreszeit - gepaart mit dem Todestag meiner Grossmutter - trage ich besonders gerne das melancholisch schöne Ereve der russischen Duftmarke Myropol. Ereve bedeutet Abend und in Gedenken an meine Oma, die als junge Frau Ballet-Tänzerin war, bringt mir Ereve den bittersüssen „Abendsegen“ aus Engelbert Humperdincks Oper Hänsel und Gretel in Erinnerung.


Freitag, 22. November 2019

November-Zen

Der November hat uns voll im Griff, ein Tag übertrifft den anderen an nassem Dunkelgrau und Kälte. Immer wenn ich denke, schlimmer gehts nimmer, kommt der nächste Tag und legt noch eine Schippe drauf. Sonnige oder einfach nur helle Momente sind die absolute Ausnahme.
Credit: Louise


Doch auch das Nebelgrau hat Schönheit. Wir kommen zur Ruhe, sind mehr (dr)innen als (dr)aussen, wir ziehen uns zurück, schlafen mehr (wenn es die Alltagsumstände zulassen), sind inaktiver, vielleicht auch nachdenklicher, besinnlicher. Im Dezember wird es bekanntlich ja häufig eher weniger besinnlich, wenn wir alle panisch auf Weihnachten zustürzen und der Freizeitstress mit Weihnachtsmärkten, Adventskaffees, Weihnachtsfeiern und Geschenkeshopping uns wieder voll fordert.

Warum also nicht den November als willkommene, kleine Verschnaufpause ansehen?
Credit: Louise


Credit: Louise




Samstag, 16. November 2019

Pariser Lippen

Der (MakeUp)Style der Pariserinnen füllt die Spalten unzähliger Editorials und Videos der YouTube-Kanäle, sogar Bücher gibt es schon darüber, denn die sprichwörtliche Lässigkeit und Coolness der Pariserin ist Beautyvorbild für sehr viele Frauen.

Ein unverzichtbarer Bestandteil des klassischen Pariser Looks ist der knallrote Lippenstift. Reduziertes Augenmakeup, wenn überhaupt eines, dazu ein eher natürlicher Teint, aber auf jeden Fall: rote Lippen. Was für uns eher etwas "für abends" und "zum Ausgehen" angesehen wird, trägt die Pariserin ganz selbstverständlich im Alltag.

Credit: Louise




Credit: Louise / Bluse: C&A, Kette: gesehen bei Budnikowsky


Freitag, 8. November 2019

Mit sich selbst verpartnert: Chatelaine von Harry Lehmann


Emma Watson wird dieser Tage dafür gefeiert, dass sie unlängst verkündete, mit sich selbst verpartnert* zu sein, was eine durchaus elegante Beschreibung ihres Singlestatus darstellt. Ich mag Emma Watson und Genderfragen und -themen sind mir nicht grundsätzlich gleichgültig, habe ich doch meinen Filius einst sogar in einen gendersensiblen Kindergarten geschickt (sollte er später ein Macho werden, ist es also wirklich nicht meine Schuld). Ob das Mit-sich-selbst-verpartnert-sein wirklich so aufsehenerregend oder die Resonanz lediglich Emmas Bekanntheitsgrad und ihrer Cleverness (bzw. der ihres PR-Teams) zu verdanken ist, sei dahin gestellt.


Photograph by Dora Maar, 1936 via https://graymag.com/

Gerade Frauen ohne ein männliches (oder weibliches) Wesen an ihrer Seite – und hier kommt das Thema Gendersensibilität durchaus zum Tragen – werden oft abfällig als defizitär betitelt. Somit ist es aus meiner Sicht erfrischend, wenn gerade Frauen deutlich machen, dass auch ein Leben mit sich selbst erfüllend sein kann. Was ebenfalls eher im Zusammenhang mit alleinstehenden Menschen thematisiert wird, ist die Frage, wie selbstbewusst und ausgeglichen diese sind, dabei  ist „(…) die Fähigkeit, allein zu sein, die Bedingung dafür, in der Lage zu sein, zu lieben.“(Erich Fromm)



Loretta Young,1934 via https://www.vintag.es/


Mittwoch, 10. Juli 2019

Sensible Schönheit



Nach längerer Abwesenheit - das Leben ist allzu turbulent zur Zeit - melde ich mich mit einer Duftvorstellung bei Euch zurück.
Passend zu meinem persönlichen Parfumbedürfnis momentan mag ich Euch den feinen, ruhigen Duft "Desert Gold" von Friedemodin vorstellen.

Credit: Louise


Friedemodin ist ein kleines Nischenparfumlabel, gegründet in London von Nina Friede und Elisabeth Modin, das sich leicht konzeptionell bei seinen Düften vorstellt. Indes funktionieren ihre Düfte auch aus dem Kontext genommen ganz wunderbar und einzeln, jeder für sich erzählt eine Geschichte.

Assoziative Vorgaben in Werbetexten interessieren mich persönlich nicht, ich schnuppere und erfahre den Duft lieber selbst und weiss am liebsten gar nichts von ihm, bevor ich ihn teste. So war es auch bei Desert Gold, den ich in einer kleinen Parfümerie in Berlin-Mitte kennenlernte.

Credit: Louise

Credit: Louise
Credit: Louise

Donnerstag, 21. März 2019

Frühling

Credit: Louise

Aus dem Steine dringt das Leben, 
aus dem rissigen Gemäuer
Blume, Blatt und Baum.
Fruchtbar noch im Unfruchtbaren,
saugt das Leben, 
stark und heiter, 
gross und hell sich
mühelos ins Licht hinein.

- Carl Peter Fröhlich -

Ich wünsche Euch einen schwerelosen Frühlingsanfang!

Grüsslis, Eure Louise


Freitag, 25. Januar 2019

Die Madame Sans-Gêne im Parfumregal


Der Januar ist für mich ja von allen Monaten das, was der Montag unter allen Wochentagen ist, nämlich schlichtweg unerhört.

Man ist verkatert, in vielerlei Hinsicht gesättigt und es fühlt sich irgendwie schwer an, in den Alltag zurück zu kehren. Hinzu kommt das zu 85% grässliche, trübe Wetter in unseren Breitengraden, wodurch sich das morgendliche Aufstehen und Aktivitäten an der frischen Luft (sic!) ab und an recht mühsam gestalten.


Credit: Kangourette

Aber nun genug gejammert und Blick sowie Nase auf einen Billigheimer im Duftregal gerichtet, den auch das nach Weihnachten geschröpfte Portemonnaie verkraftet: Coco Mademoiselle von Cha..., ups, nein, ich meinte doch Suddenly Madame Glamour von der Discounterkette Lidl.

Von den einen als „hervorragendes Dupe“ zu Chanels Erfolgsduft Coco Mademoiselle gefeiert, von den anderen als „synthetische Suppe“ abgestraft, ist Suddenly Madame Glamour hier mal einen näheren Blick und Riecher wert. Dabei fokussiere ich hauptsächlich auf den Lidl Duft und nicht auf einen Vergleich zu Coco Mademoiselle, der jedoch unweigerlich stets um die Ecke blinzelt.

Donnerstag, 6. Dezember 2018

Schaufenster der Woche No. 33 -- Tante Emma lebt

Die Gattung Tante-Emma-Laden war ja mal vom Aussterben akut bedroht. Wie es insgesamt darum nun steht, kann ich nicht sicher sagen, jedoch: in Hamburg gibt es noch den einen oder anderen Laden dieser Art (der kein "Späti" ist, welcher imho eine moderne, nachtaktive und neu erblühende Form des Tante-Emma-Ladens darstellt).



Credit: Louise


Obst und Gemüse Regina Akzu jedenfalls entzückt mich im Vorbeigehen immer. Es hat etwas gedauert, dass ich hier mal das pure, hübsche "Vintage"-Schaufenster knipsen konnte, da vor dem Fenster meistens Kaffeekunden auf der Bank sitzen und ein Päuschen machen. Dies sind häufig Strassenfeger, Müllwerker, Postboten, Rentner und Flaneure des nahegelegenen Parks, welche sich hier unter der verblichenen Markise einen kleinen Nachbarschaftsplausch geben.

Credit: Louise

Von der Grundschule gegenüber schwärmen die Schüler in den Laden aus, um sich mit Naschwerk zu versorgen, und, nicht zu vergessen, die zahlreichen Muttis mit oder ohne Kinderwagen/Kinderbegleitung, die hier tatsächlich Obst & Gemüse einkaufen (und um Kaugummi o.ä. von ihren Kindern angequengelt werden).

Freitag, 16. November 2018

Sündentrio für die Nase - die Düfte zur TV-Serie Babylon Berlin

Die TV-Serie "Babylon Berlin" ist zur Zeit in aller Munde, und, wie ich finde, zu recht. Das liegt gewiss nicht nur an meinem schon seit Jahrzehnten bestehenden Interesse am Thema "Berlin der 20er Jahre", sondern auch an der echten Qualität dieser Serie.

Ich werde an dieser Stelle die Serie nicht weiter rezensieren, dafür aber beichten, dass ich als erwachsene Frau so begeistert bin, dass ich mir die drei Merchandising-Düfte der Serie gekauft habe. Es gibt sie bei Rossmann und Müller zu je € 14,95 / 50ml und stecken in den allerschönsten Flakons.


Credit: Louise


Im Grunde hat mehr mein Auge als meine Nase eingekauft, aber wo ich sie nun schon mal alle hier habe, möchte ich sie Euch auch vorstellen.

Credit: Louise


Dienstag, 23. Oktober 2018

Ich hab´ noch einen Kuchenteller in Berlin

Neulich bin ich, mal wieder, zu einem Kurztrip nach Berlin aufgebrochen. Und weil Pflastertreten besonders in dieser Stadt sehr anstrengend ist, meine Nerven zwecks Verarbeitung all der vielen Eindrücke in dieser niemals müden Stadt ordentlich viele Kohlenhydrate benötigen, kehrte ich bei Frau Behrens in der Bergmannstrasse in Kreuzberg ein.

Credit: Louise


Frau Behrens macht Torten. Und Kuchen. Diese kann man z.B. in ihren entzückenden Cafés goutieren und sich dort im schönen, nostalgisch-liebevollen Ambiente verwöhnen lassen. Ein Fest für die Sinne: die unschlagbar leckeren, immer frischen Torten, Kuchen, Speisen und Getränke zu moderaten Preisen (es gibt auch hervorragendes Frühstück und kleinere, herzhafte Snacks), der Duft von Schokoladen, Kaffee und Süsswaren... Das Auge kann sich nicht sattsehen am Füllhorn der Leckereien und dem vintagigen Dekor, das bis ins Detail liebe- und stilvoll angerichtet ist.

Credit: Louise

Credit: Louise
Credit: Louise

Freitag, 7. September 2018

Mon Guerlain – mein Umarmemich

In "Harry Potter und der Stein der Weisen" erhält Harrys schusseliger Klassenkamerad Neville Longbottom eines Tages ein Erinnermich (genannt Remembrall in der originalen Fassung), eine magische Warnanzeige für Vergessliche. Das Erinnermich sieht aus wie eine große Murmel, die weißen Nebel enthält. Hat man etwas vergessen, so färbt sie sich glühend rot. Das rosarote Mon Guerlain ist - aus meiner Sicht –  hingegen ein Umarmemich, eine magische Aufforderung, von Menschen, die man liebt, umarmt zu werden.

Dieses Umarmemich ist der jüngste mit Spannung erwartete Damenduft aus dem Haus Guerlain (erschienen 2017). Unübersehbar beworben mit Angelina Jolie, bezeichnete diese Mon Guerlain werbewirksam als „Mein unsichtbares Tattoo“.*

Credit Horex Ballo

Freitag, 6. Juli 2018

Grain de Soleil – und die Zeit steht still

Das Reisen führt uns zu uns zurück. 
Albert Camus



 
Der römische Aquädukt Pont du Gard*

Mit 18 oder 19 Jahren verlebte ich einen sehr schönen Urlaub in der französischen Provence. Sonnenuntergänge in Cassis, baden an den wunderschönen Calanques, Pastis trinken in Aix en Provence (brrrr, den Geschmack mochte ich gar nicht), Übernachtungen in sehr typisch französischen Pensionen mit bordeauxfarbenen wild gemusterten Textiltapeten an den Wänden. Die Fenster nachts offen – puh, es ist so heiß – auf der Straße lachende Passanten, Musik in der Ferne. Die Fahrt zum Pont du Gard – lachen – wir waren heute noch gar nicht schwimmen! Nach Erkundung und mehrfacher Überquerung des Points – uh, ist das hoch - schnell ein paar Dinge aus dem Auto geholt und entlang des Gard ein einsames Plätzchen gesucht. Gefunden! Eine Art Insel inmitten des ohnehin flachen Flusses. Schwimmen - unmöglich, Erfrischung im Wasser tut dennoch soooo gut. Steine unter meinen nackten Füßen im Wasser, Sonne auf meiner und seiner Haut - unser Paradies. Umgeben von Planzen und wilden Blumen. „Psst, duck dich, ich glaube, da kommen Leute.“ All das kam mir unwillkürlich in Erinnerung, als ich das erste Mal Grain de Soleil von Fragonard testete. Mitten im Winter in Paris, nach dem Besuch des Fragonard-Shops auf dem Boulavard Saint Germain, fühlte ich die provenzalische Sonne auf meiner blassen Nase und meinte, das Rascheln der duftigen Gräser im Sommerwind um mich herum zu hören.


Das in Südfrankreich sehr beliebte Boulespiel*

Samstag, 23. Juni 2018

Im Park


Credit: Louise




                        Alter Park

In der Altstadt, die nur so heisst, 
- denn wo einst nur Winkelgässchen gekauert, 
dünstig vom Mittelalter umschauert, 
dehnen Zinshausstrassen sich dreist, -

Eine Oase, die jedes Aug´ preist:
Uralte Bäume, ein alter Garten ummauert,
haben Jahrhunderte überdauert,
bei der Kapelle zum Heiligen Geist.

Aus dem Rasen - fern Stadtlärm und Hast!
ragen verstreut zu der Bäume Füssen
schräge Steinplatten, grau und bemoost.

Gern hält Liebe hier Abendrast;
die fühlt hier dankbar des Lebens Grüssen,
ahnt nicht, dass sie auf Friedhofsgrund kost.

Hugo Salus (1866 - 1929), böhmischer Arzt und Schriftsteller



Credit: Louise


Dienstag, 1. Mai 2018

Anais Anais – Lilie mädchenhaft


Einen wunderschönen ersten Mai, liebe Kangouretten! Wir beginnen diesen Wonnemonat mit einem Strauß weißer Blüten.

Es gibt Parfums, die kennt man einfach, ohne sich je mit ihnen beschäftigt zu haben. Einer davon ist für mich Anais Anais von Cacharel. Meine Mutter erhielt ihn in meiner frühen  Jugend als Gastgeschenk von einer amerikanisch-philippinischen Austauschschülerin, natürlich musste auch ich meine neugierige Nase bald an den milchglas-weißen Flakon halten. Hell und licht wie der Flakon war auch mein Dufteindruck: weiße Blüten, frühlingshaft auf grüner Basis. Zu besonderen Gelegenheiten durfte auch ich einen Hauch Anais Anais tragen. Mit dem zarten, aber langanhaltenden Duft weißer Lillie, Hyazinthe und Maiglöckchen fühlte ich mich auf Anhieb unwiderstehlich. Anais Anais war für mich einfach „der schönste Duft der Welt“.


Qelle: http://www.parfumdepub.com/fr/publicite-Ana-iuml-s-Ana-iuml-s-48.html


Versunken in meine Mädchenträume sollte es noch ein paar Jahre dauern bis ich Anais Anais mein eigen nennen konnte. Mit 17 Jahren, nach vier Wochen in einem internationalen Jugendlager in Trois-Rivières (nahe Quebec in Canada), kaufte ich mir Anais Anais im Duty Free-Shop des Montrealer Flughafen auf der Rückreise. Eigentlich litt ich dato schwerst an gebrochenem Herzen, da ich mich "unsterblich" in einen Italiener mit äußerst römischem Profil verliebt hatte. Anais Anais linderte den Schmerz erfolgreich. Ich erinnere mich noch, dass mir der Duft sofort am Flughafen ein Kompliment einbrachte. Pierre Brice.....naja, nicht ganz, also ein älterer Herr (wahrscheinlich war er gerade mal 30 *lach*) sprach mich auf Französisch an und sagte, wie wunderbar dieser Duft zu mir passe.

 Wie duftet Anais Anais?


Freitag, 26. Januar 2018

Die dufte Kunst der Verführung

Mein Duftbeuteschema ist eigentlich ein anderes. Ein ganz anderes. Trotzdem hat mich Serge Lutens Cèdre gepackt, mir den Kopf verdreht, mich verführt, und ich weiss nicht, warum. Manchmal ist das so - und der Verstand kann es nicht erklären.

Credit: Louise


Der erste Dufttest vor ein paar Jahren verlief enttäuschend. Madamig, haarsprayig, aufdringlich, dann wieder zu bitter - nein, den mag ich nicht.
Durch Zufall jedoch testete ich den Duft zwei Jahre später erneut. Und wunderte mich, was geschah:

Freitag, 12. Januar 2018

Eine Frage der Definition

Im Januar jammert so mancher über Ebbe im Portemonnaie nach der Weihnachtszeit. Werfen wir also mal einen Blick auf einen „Billigheimer“ im Parfumregal, den ich privat über Umwege erhalten habe: „Definition“ von Christina Aguilera.

Credit: http://tinkerbell240677.tumblr.com/post/80170170323


Der Snobismus macht auch vor Parfumfreunden nicht halt und so werden Parfums, die in der Drogerie für kleines Geld zu kaufen sind unter Parfumistas häufig naserümpfend ignoriert. Aber braucht es wirklich exotische, außergewöhnliche Rohstoffe um ein gutes Parfum herzustellen? Das ist – wie so vieles – eine Frage der Definition und des persönlichen Geschmacks. Der französische Komödiendichter Jean Baptiste Moliere (eigentlich Jean-Baptiste Poquelin), der sich in seiner Komödie „Der Geizige“ Habsucht und Geiz widmete, soll gesagt haben:

Als ob es eine Kunst wäre, mit viel Geld ein anständiges Mahl herzurichten! Kinderleicht ist das, der größte Esel bringt das zuwege. Wer sein Handwerk versteht, der braucht wenig Geld und kocht trotzdem gut.