Freitag, 28. März 2014

Allure- oder beschreiben Sie das Unbeschreibliche



Coco Chanel: Die Meisterin der "Allure"
Credit: Chanel

Allure von Chanel erschien in den späten 1990ern am Parfumhimmel. Sanft rosig-peach-farben griff es optisch einen Trend der damaligen Zeit auf. Das erfolgreiche Tresor von Lancome und Jean Paul Gaultiers Classique, entzückten Anfangs der 90er ebenfalls in "nude" und verschleierten zunächst, dass in ihren Flakons olfaktorische Kraftwerke wohnen. Allure erschien, als das Jahrzehnt der braunen Lippenstifte, der "Gib Aids keine Chance"-Kampagne und des Comebacks der Schlaghose, von CK-One und der sogenannten "Supermodels" – ja, ein ganzes Jahrhundert – endete! Vielleicht ein Zukunftsbote?



Credit: Chanel



Was ist das Besondere an Allure? Was macht es so erfolgreich? Aus meiner Sicht und Nase ist es ganz klar sein Facettenreichtum. Von den Konzentrationen her bevorzuge ich das Eau de Parfum. Nach dem Aufsprühen rieche ich zunächst zitrische, frische Noten mit leichten blumig-pudrigen Noten im Hintergrund. Die blumigen Noten- ich erkenne einer meiner Lieblingsblumen, den Jasmin! - werden intensiver, während die zitrischen Noten nachlassen und sich mit leichten, fruchtigen Noten verbinden. Vanille tritt nach und nach hervor. Aus dem eher spritzig-blumigen Odeur am Anfang wird ein softer blumiger Orientale, bei dem immer wieder fruchtige-zitrische Akzente durchschimmern.


Wer Allure hat, "kann" auch Breakfast at Tiffany’s im kleinen Schwarzen
Credit: 
http://aworldoffilm.com/


Allure Eau de Parfum ist ein kräftiger Duft bei dem die Vanille deutlich wahrnehmbar ist, doch anders als seine Zeitgenossen Tresor und Classique, lockt Allure unsüßer, subtiler und zurückhaltender. Madame Allure würde im Gegensatz zu Madame Classique nicht den modischen faux-pas begehen (zu) viel Bein und (zu) viel Ausschnitt auf einmal zu präsentieren. Das entspricht durchaus Mademoiselle Chanel, die sagte: "Weibliche Nacktheit muss man den Männern mit dem Teelöffel geben, nicht mit der Schöpfkelle."**

Dafür wirkt Madame Allure geheimnisvoller und graziler. Ihr Bewunderer wird sie ebenso oft angucken und immer wieder etwas zauberhaft Schönes an ihr entdecken (wollen), wie er an ihr schnuppern und von ihrem Duft erneut fasziniert sein wird, weil er nicht auf Anhieb zu beschreiben vermag, ob sie nun eher blumig-pudrig, orientalisch-blumig oder holzig-fruchtig duftet. Und doch ist es dieser Duft, der sie unverkennbar, unbeschreiblich und einzigartig für ihn macht: Allure!



Credit: Chanel


Allure verfügt angeblich nicht über einen klassischen Aufbau aus Kopf-, Herz- und Basisnoten. Chanel wirbt damit, Allure sei
"Ein einzigartiger Duft, der sich bei jeder Frau anders entfaltet" (www.chanel.com). Unterstrichen wurde die Message bei Lancierung des Duftes damit, dass verschiedene Models zur gleichen Zeit für Allure warben und versicherten, dass jede Frau auf ihre Weise mit diesem Duft "unbeschreiblich und absolut unwiderstehlich", seien.


Dass ein Parfum in Kombination mit der Körperchemie einen eigenen Akzent entwickelt, ist eine weit verbreitete Meinung. Der beliebte Parfumkritiker Luca Turin bestreitet diese These.*


Doch das sei nur am Rande erwähnt und wird den Genuss von Allure nicht schmälern!


Kennt Ihr Allure von Chanel? Mögt Ihr diesen Duft – oder ist er für Euch wirklich ein "grim floral" (Luca Turin)?


Bussi

Eure Allur - rette 

*vgl. u.a. https://twitter.com/lucaturin/status/434432172066635776

**Quelle: http://natune.net/zitate/autor/Coco%20Chanel 

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